21.2.27 im Weserrenaissance-Museum Schloss Brake.
„Von denen kennzeichen der wunden im gesichte / und was dabey zu vermuthen.“ Chirurgische Berichte vom Ende des 17. Jahrhunderts.
Wie sieht es aus, wenn jemand „vom Donner erschlagen“ wurde? Was sind die Kennzeichen der „Franzosen-Kranckheit“? Wie versorgt man eine Degenwunde, die Leber und Magen durchstoßen hat? Welche Kennzeichen hat die „Jungfernschafft“? Wie stellt man fest, ob jemand arbeitsunfähig ist oder simuliert? Ist jemand, der sich verrückt verhält, krank oder vielleicht doch verzaubert?
Ende des 17. Jahrhunderts steht die Medizin am Scheideweg zwischen Aberglauben und Evidenz, Herumprobieren und reflektiertem Handeln, zwischen fragwürdigen Rosskuren und moderner, wissenschaftlich orientierter Therapie – Manches machen Chirurgen heute noch so wie vor 300 Jahren, manchmal aber brachte der Arzt den Patienten um, nicht die Krankheit.
Jean Devaux, Vorsteher der Pariser Chirurgen, verfasste 1703 ein richtungweisendes Lehrwerk für Ärzte, das eigentlich das korrekte Führen von Krankenakten zum Inhalt hat: „Die Kunst, chirurgische Berichte und Wund-Zettul abzufassen“. En passant fasst das Buch aber dabei auch den Kenntnisstand der damaligen Medizin zusammen. Die zahlreichen Beispielberichte des Buches zeigen nicht nur, mit welchen Malaisen sich die Menschen damals herumschlugen, sie sind auch ein unschätzbarer Einblick in die Anfänge der Gerichtsmedizin.
Philipp Schmidt-Rhaesa liest aus der ersten, 1713 in Bautzen erschienenen deutschen Übersetzung des Buches. Dabei unterstützen ihn Mitglieder des Literaturkurses der Karla-Raveh Gesamtschule.
Triggerwarnung: Es wird blutig.