Lesungen

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Kunstverein Bielefeld, Welle 61, 33602 Bielefeld - Mitte

Vortrag/Lesung Brauchtum/Kultur Ausstellung

mit Luzie Meyer, Anna R. Winder, Karolin Meunier

Wir laden Sie herzlich am 6. September 2026 ab 15:00 Uhr zu den drei Lesungen der Künstlerinnen Luzie Meyer, Anna R. Winder, Karolin Meunier im Rahmen der aktuellen Ausstellung read to/for | I read to sense the doubling of time ein.

Die Gruppenausstellung befragt das Lesen als künstlerische und über den Text hinausgehende Praxis. Sie versteht sich als Produktions- und Experimentierraum, in dem installative Setzungen, Lesungen und Performances in wechselnden Konstellationen zueinander in Beziehung treten.

 

PROGRAMM – KUNSTVEREIN BIELEFELD

Luzie Meyer
Besaid, bedone

In der performativen Lesung Besaid, bedone (2026) nähert sich Luzie Meyer der Lebensrealität der Barockkomponistin Barbara Strozzi in Form eines spekulativen inneren Monologs. Ausgangspunkt ist die Klagearie Che si può fare, in der sich das Empfinden von Handlungsunfähigkeit und schwindender Hoffnung artikuliert. Durch pointierte sprachliche Brüche überlagert Meyer historische und gegenwärtige Erfahrungsräume und fragt nach den Bedingungen von Handlung und Autonomie. Strozzis Position als eine der wenigen Frauen, die im Venedig des 17. Jahrhunderts als Komponistin öffentlich in Erscheinung traten, war von gesellschaftlicher Abhängigkeit und prekären Verhältnissen geprägt. In der Überlagerung mit gegenwärtigen Formen sozialer und ökonomischer Abhängigkeit wird diese historische Situation als fortwirkende Struktur lesbar. Die Lesung eröffnet so einen poetischen Reflexionsraum über die Möglichkeit der Selbstbestimmung innerhalb begrenzter Handlungsspielräume.

Anna R. Winder
I sometimes think of her as a spider

Anna R. Winder liest aus einem fortlaufenden Text, der ihre amateurhaft-detektivischen Recherche-Unternehmungen nachzeichnet und dabei die Form der Anekdote als Modus der Annährung erprobt. Ausgangspunkt ist die Suche nach einer Fotografie, die vom Hörensagen bekannt ist und angeblich zwischen 1969 und 1981 im Playboy veröffentlicht wurde. Im Verlauf der Suche ruft der Text fiktionale Figuren auf, die ähnlichen Nachforschungen folgen: Hazel Brown aus Lisa Robertsons The Baudelaire Fractal, Janine Dakyns aus W. G. Sebalds Die Ringe des Saturn, Charles Kinbote aus Vladimir Nabokovs Pale Fire und Daniel Quinn aus Paul Austers City of Glass, unter anderen. Sie alle sind detektivische Forscher:innen und Autor:innen, deren Leidenschaft für ihre Untersuchungen schließlich über die Grenzen ihrer eigentlichen Arbeit hinauswächst.

Karolin Meunier
Übersetzungsszenen

Karolin Meunier wird ihr Künstlerinnenbuch Commentaries. Vai pure, Carla Lonzi vorstellen, das gerade bei b_books erscheint.
Ausgangspunkt ist Meuniers Auseinandersetzung mit einem Werk der italienischen Kunsthistorikerin und Feministin Carla Lonzi: In Vai pure (Mailand, 1980) hat Lonzi ein Gespräch mit ihrem Partner, dem Künstler Pietro Consagra veröffentlicht. Ausgehend von der Frage, wie ein Buch zu übersetzen ist, dessen Sprache sie nicht spricht, öffnet Meunier einen Raum, in dem Übersetzung als dialogische Praxis erkennbar und ein vielstimmiges Gespräch mit anderen Mitwirkenden initiiert wird. Lesen, Zuhören, Transkription und Editieren werden dabei zu ästhetischen Praktiken der Übertragung, in dem sich der Text von Vai pure in einem fortlaufenden Prozess des Austauschs neu erschließt. Zugleich eröffnen sich verschiedene Perspektiven auf den historischen Kontext von Lonzis Schreiben sowie Fragen nach Kunst, Produktivität, Anerkennung und Feminismus heute.
 

Keine Anmeldung notwendig. Eintritt frei.

Das Projekt wird gefördert von der Stiftung Kunstfonds, dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) sowie der Kunststiftung NRW.

Bild: Anna Budniewski, Bank (Kreis); Video (Opening), 2026. Installation view, read to/for | I read to sense the doubling of time, Kunstverein Bielefeld, 2026. Courtesy der Künstlerin. Foto: Fred Dott

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