Raminta Šerkšnytė Midsummer Song
Wolfgang Amadeus Mozart Klavierkonzert G-Dur KV 453
Felix Mendelssohn Bartholdy Sinfonie Nr. 3 a-Moll op. 56 "Schottische"
Nordwestdeutsche Philharmonie
Ronald Brautigam, Klavier
Izabelė Jankauskaitė, Leitung
Landschaften und Leidenschaften des Nordens mit der Nordwestdeutschen Philharmonie
Raminta Šerkšnytės Musik strömt frei in Ausdruck, Form und Klangraum – sie schenkt Augenblicke von betörender Schönheit und beinahe mystischer Versenkung. Die litauische Komponistin (*1975) lässt dabei subtil die politische Befreiung ihres Heimatlandes anklingen und verbindet traditionelle baltische Klangfarben mit Einflüssen aus Asien und Westeuropa. Im einsätzigen Midsummer Song (2009) steht die Natur im Mittelpunkt. Am Freitag, 23.01.2026, wird die Nordwestdeutsche Philharmonie um 20:00 Uhr im Stadtpark Schützenhof in Herford von Izabelė Jankauskaitė geleitet. Die Dirigentin, selbst litauischer Herkunft, bringt mit Šerkšnytės Werk ihre Heimatklänge in die Region. Der Midsummer Song beschwört mit schillernden Höhen und drängend grollendem Bass die euphorische Magie der Sommersonnenwende herauf. So sehr man sich auch vor allzu engen Repertoire-Schubladen hüten sollte: Es liegt ein besonderer Zauber darin, zeitgenössische litauische Musik von einer Künstlerin zu hören, die in dieser Klangwelt zu Hause ist.
Die Natur-und Stimmungslandschaft Litauens wird am gleichen Abend mit Klassikern von Mozart und Mendelssohn flankiert, zunächst mit dem Klavierkonzert G-Dur KV 453 von Mozart als hochspannende Brücke zwischen zeitgenössischer litauischer Musik und der lebendigen Klangwelt des blühenden Wiens im 18. Jahrhundert: Bereits der erste Satz besticht durch eine beinahe lässige Eleganz. Die Musik fließt scheinbar mühelos von einer Idee zur nächsten und wird von einem absoluten Ausnahmepianisten getragen: Ronald Brautigam, der in Amsterdam, London und schließlich in den USA bei Rudolf Serkin, einem legendären Klaviergiganten des 20. Jahrhunderts, studierte. Als brillanter Spezialist der Wiener Klassik und Spezialist für historische Aufführungspraxis ist Ronald Brautigam weltweit gefragt.
Ein musikalisches Souvenir als majestätischer Abschluss: „Es ist, als entspräche ein schöner Abend einem herrlichen Morgen“, schrieb Robert Schumann treffend über die „Schottische“ Mendelssohns. 1829 betrat Mendelssohn zum ersten Mal englischen Boden – und kein anderes Land sollte ihn je so innig feiern, bewundern und lieben wie dieses. Im Hochsommer war es Zeit für frische Luft und neue Eindrücke, so machte sich Mendelssohn auf nach Schottland. Die ersten 16 Takte skizzierte er vor Ort, doch erst 1843 konnte die Sinfonie als seine letzte vollendete veröffentlicht werden. Die Sinfonie ist nicht nur thematisch, sondern auch formal als Einheit gedacht: Mendelssohn bittet ausdrücklich darum, die Sätze ohne Pausen ineinander übergehen zu lassen. Der Beginn ist feierlich, fast hymnisch, ehe sich die Musik in eine leidenschaftliche Erzählung der Violinen ergießt. Das spätere Scherzo schwirrt mit flirrenden Sechzehnteln und fernen Hornrufen heran, die Melodien tragen unverkennbar schottisches Kolorit. Kämpferisch und kraftvoll mündet die schottische Dramatik in einen beinahe heroischen Abschluss, mit dem der Konzertabend zu einem Besuch der rauen Ruinen von Holyrood Palace in Edinburgh wird. Unter Izabelė Jankauskaitės Händen wird sich Mendelssohns Impuls in einen baltischen Atem verwandeln: getragen, standfest, von innen leuchtend.